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16.09.2013 09:02:16 
Tino Theer 
Ein Haus für die Dame!
Unsere Impressionen vom diesjährigen Apolda Open
Apolda! Ja was kann man eigentlich zu Apolda sagen? Ich weiß es nicht. Die Stadt ist irgendwie bizarr, aber alljährlich gibt es dort ein lustiges Schachopen, dem wir auch in diesem Jahre wieder den Hof machten. Da es leider nicht mehr in den Ferien lag, waren wir ganz ohne Kids dort – fand ich irgendwie Schade, denn gerade die Sorgen für den einen oder anderen Kracher gegen die guten, alten Haudegen. Nun gut es war so, also waren wir nur zu dritt: Uwe, Marco und Tino – quasi der Oriongürtel unseres Vereins!

Uwe residierte wiedermal standesgemäß im Hotel am Schloss. Marco und Ich hingegen im alten Schlachthof, wo die Übernachtung günstig war, man aber quasi sein Frühstück selbst aus dem Kühlschrank holen musste. Ein Novum, aber nun gut die Personalkosten sind ja heutzutage auch die Hölle!

Runde 1 startete gleich mit einem Rekord. Uwe beendete die 1. Partie des Turniers überhaupt. Nach nur rund 45 Min. hat er sich schon abnullen lassen, er hatte ja eh keine Chance wie er meinte. Marco kam ziemlich sicher zu seinem Favoritensieg und ich saß einem 22-jährigen Franzosen gegenüber, der eine ELO von 2200 hatte und derzeit in Dtl. Ein Praktikum macht. Zufälliger Weise hatten wir auch einen gemeinsamen Bekannten, die Apoldaer Legende: Harald Maiwald. Aber es half nix, ich musste ran spielte gut, stand sicher und machte eine Kombination die wasserdicht schien. Aber genau der eine Zug der in meinen Augen zwangsläufig war, war verfrüht und schon ging es bergab.

Runde 2 und schon ging es los mit den Frözelein. Uwe spielte gegen einen jugendlichen Spund aus Jena und dachte sich mit schnellem Spiel und etwas Trickserei wird das ein Punkt. Dann übersah er aber eine taktische Raffinesse, musste einen Bauern geben und konnte am Ende nur das Endspiel zum Remis führen. Marco hatte eine berühmte Gegnerin zu Gast: HMK! – Hanna-Marie Klek. Die 18-jährige Mathematik-Studentin aus Erlangen ist heiß und will unbedingt in die Frauen-Nationalmannschaft. Mit einer Elo von ca. 2250 ist sie auf dem besten Weg dorthin. Marco spielte wie immer, verlor zwar einen Bauer, hatte aber immer gute Remis Chancen. Nach dem 40. Zug stand er auf, bot seiner Gegnerin an doch mit raus an den Grill zu kommen und etwas auf seine Bedenkzeit zu essen. Sie lehnte lächelnd ab… Manchmal ist Marco ja doch richtig charmant. Aber auch die Stärkung half nix, denn Marco verpasste die richtige Remisabwicklung, obwohl er Sie sah und musste die Hand reichen. Meine Wenigkeit spielte gegen ein 7-jähriges Kind! Aus der Leipziger Schachschule mit einer DWZ von ca. 1250. Vor sowas muss man immer dicken Respekt haben. Er spielte das Wolga-Gambit – na toll! Aber dann griff er früh fehl und übersah eine Taktik, die ihm eine Bruchbude bescherte. Vorbildlich spielte er bis zum Matt weiter. Wie ich dann erfuhr, spiel der junge Laurin Haufe bei der Jugend-Europameisterschaft, Ende September mit. Ich wünsche ihm jedenfalls viel Erfolg!

Für Runde 3 ist meiner Erinnerung schon arg verblasst, zumindest was Marco und Uwe angeht. Ersterer erzielte nur ein Remis gegen einen deutlich schwächeren und letzterer verlor sogar. Ich hatte meinen 2. Ausländer, Ralf Lenninger aus Österreich (Vorarlberg), Elo um die 1950. Er spielte wohl die Nimzowitsch-Eröffnung oder was in Richtung Zuckertort. Ich stand gut, aber dann liefen Berechnung und strategisches Denken bei mir nicht mehr im Einklang und ich verpasste die besten Fortsetzungen. Also eine traurige Runde für uns mit 0,5/3!

Samstagmorgen traten wir dann zu Runde 4 an. Marco zelebrierte wildes taktisches Gehacke gegen Thorsten Kirschner aus Gera, was in einem schönen Matt für unseren Psycho endete, siehe Bild. Uwe kam derweil zu seinem 1. Sieg gegen Günter Stuchlik, er kann es also doch noch! Ich hatte mit Erich Talke einen älteren sehr langsam spielenden Herrn gegenüber, der sich allerdings gut verteidigte, bzw. ich wohl nicht den besten Plan verfolgte, aber letztlich hielt er dem Druck auf dem Brett wie auch auf der Uhr nicht mehr stand und kapitulierte.

Am Nachmittag wurde es wieder leicht kurios. Ich trennte mich zunächst rasch Remis mit Stefan Koch aus Suhl, da meine Freundin zu Besuch kommen wollte und Stefan auch nicht wirklich motiviert war, es lief nicht rund für ihn bis dahin. Uwe schien dann sogar verpennt zu haben!? Ein Telefonat bestätigte das, aber sein Gegner Dr. Frank Rauhut wollte trotz verstrichener Karenzzeit trotzdem spielen und so flitzte alsbald ein Uwe durch Apolda um dann aber letztlich doch klar zu verlieren. Marco wollte indes lieber mal wieder zeigen was er kann und tatsächlich zerlegte er Andreas Kuntze aus Nordhausen in einer sehenswerten Partie. Sehr schön Marco! Mit unserem gemeinsamen Abendbrot im Schlachthof ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Der Feuertopf dort ist übrigens sehr zu empfehlen!

Sonntag ist Stichtag. Das dachte sich Marco, denn großmaulig wollte er seinen ersten Titelträger: IM Sobolevsky erlegen. Dieser lief auch in Marcos vorbereitete Variante, dumm nur, dass er dann wieder mal einen Zug verwechselte und so kam Sobo schnell zu einem erstickten Matt, dass sich Marco natürlich aus rein ästhetischen Gründen zeigen ließ. Marco, da war mehr drin! Uns Uwe durfte sich dagegen mit einem jungen Mädchen aus der Rattenanstalt messen, es war Lotta Rieger. Souverän holte er sich letztlich den vollen Punkt im Endspiel. Ich hatte das nächste Jungtalent, den 11-jährigen Robert Stein aus Granschütz, Elo 1900. Ich hatte wieder Schwarz und er schob mich einfach zusammen. Es war beschämend. Ich war enttäuscht. Es war grausam. Ich habe erbärmlich gespielt!

Die Schlussrunde brachte dann die Entscheidung, wird es ein gutes Turnier oder nicht!? Marco hatte nochmal einen schweren Brocken und ging wohl sang- und klanglos ein. So ähnlich erging es auch Uwe, obwohl da sicher mehr drin war. Ich hatte mit Hagen Hülse nochmal einen leicht leichteren Gegner, kam dann auch zu einer schönen Druckstellung die ich solange intensivieren konnte, bis sich mein Gegner schließlich zur Aufgabe gezwungen sah.

Was kann man abschließend sagen? Apolda 2013: Es war lustig! Wie immer! Uwe brillierte durch Schnellschach, gute Sprüche und stets gute Laune. Marco zeigte Licht und Schatten, mit etwas mehr Hang zum Licht. Ich habe gezeigt, dass ich doch noch spielen kann, die Saisonvorbereitung war gelungen. Im nächsten Jahr gerne wieder! Gerne wieder mit den Kids! Es war zwar ruhiger, aber irgendwie hat da halt was gefehlt!



 
 
 
 
 
 
 
 


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